Wer ist Lady Wave?

Camilla Wegener ist eine echte, also gebürtige, Hamburger Deern. Sie ist in Altona aufgewachsen und über die Jungs mit denen sie so „abgehangen“ hat auch in die Hip-Hop-Szene gekommen. Graffiti hat sie von der Szene am meisten fasziniert, woraufhin sie dann auch das Zeichnen anfing. Das war 1996. „Da war ich aktiv in den verschiedensten Bereichen in ganz Europa. Aktuell mache ich jetzt eher so erwachsenen Kram. Ich habe schon viele verschiedene Aufträge gemalt und beteilige mich künstlerisch an einigen Projekten, wie z.B. bei Viva con Agua, der Millerntor Gallerie, OZM Gallery oder für Ramba Zamba. Ich habe aber auch schon Workshops gegeben und regelmäßig beim Mädchenspektakel mitgemischt.

Um Camilla alias Lady Wave als Künstlerin besser verstehen zu können, haben wir ihr ein paar Fragen zu ihrem Pseudonym und ihrer Kunst gestellt. Das Gespräch mit ihr war direkt, ohne langes Gesabbel und völlig frei.

Viel Spaß beim Lesen!

 

 

Graffiti KünstlerinGraffiti Art

 

Camilla, wie kam es, dass du dich "Wave" nennst?

“Eine Freundin meinte zu mir: ‘Ey Camilla, du musst halt immer einen auf Welle machen‘ Und ich dachte mir nur so, Welle – Wave? Voll der geile Name.“

 

Auf Insta heißt du @wave_afc_thy - Was hat es mit "afc" und "thy" auf sich? 

„Das sind meine Graffiti Crews! Also feste Sprayer - und in meinem Fall auch Freunde -, die alle für die gleiche Crew malen. Also AFC steht für Altona Female Crew. Das ist ja auch das Viertel in dem ich aufgewachsen bin. THY ist die Abkürzung für Therapy eine Crew mit coolen Boys und einem heißen Girl, mich... deswegen auch derbe sexy + famous.“  😉

 

Okay, cool. Und Lady Wave ist dein eigenes Kürzel, richtig?

„Ja genau. Lady Wave mach ich allein.“ 

 

Was genau meinst du mit "die gleiche Crew malen"?

„Naja, eine Crew sind verschiedene Graffiti-Sprüher die eben gemeinsam das gleiche Kürzel malen. Es geht um den Crew-Namen, wie ne Art gemeinsames Statement... oder es geht um fame. Bei Graffiti geht es halt viel um fame. Je mehr Leute das Kürzel "taggen", umso bekannter wird es. Verbreitet sich das Tag, steigt der Bekanntheitsgrad.“

 

Es geht also gar nicht primär um den Stil des Graffities sondern um das Kürzel - quasi freie Bild Wahl, gleiches Kürzel?

„Bei mir steht die Freundschaft im Vordergrund. Aber Ja - in der Regel werden die Mitglieder nach ihrem Bekanntheitsgrad oder dem Output, den sie machen, ausgewählt.

Einer der bekanntesten Hamburger Sprüher ist OZ. Auch wenn er der Graffiti Szene direkt nicht wegen seiner Styles zugeordnet werden kann. Er gehört z.B. keiner Crew an und hat einzig durch die Verbreitung seines Kürzels, dem Smiley und bunter Wandflächen, seinen Fame erreicht."

 

Smiley Roboter Lady Wave
Graffiti Künstlerin Sprayen

 

Hast du mit OZ nicht auch schon was zusammen gemacht?

„Ja den Roboter für die OZM Galerie. Ich finde Roboter einfach geil - mit vielen kleinen Elementen...ich stehe auf Verwandlung und Transformers!” 

 

Hat die OZM Galerie dich angesprochen?

"Ja! Ich wurde von denen angesprochen, ob ich bei einer Gruppenausstellung mitmachen möchte. Dort wurden in den Räumen die Wände direkt bemalt. Ich habe damals auch eine Wand bekommen und einen Roboter gemalt. Der Galerist fand den super und meinte, dass es voll schade ist dass der nicht transportabel ist. Daraufhin habe ich verschiedene Roboter aus Holz gesägt (ca. 2m Höhe), bemalt und sie transportabel gemacht."


Und wie kam es zu einem gemeinsamen Projekt mit OZ?

"Das war auch ein Projekt der OZM Gallery. Sie war als Ausstellung von OZ geplant, bei der verschiedene, andere Künstler für eine Zusammenarbeit angefragt wurden. Wir sollten gemeinsam mit OZ ein Kunstwerk erstellen. Ich hab dann halt einen Roboter gemacht und mit OZ besprochen, was er dabei machen möchte. Dabei ist rumgekommen, das er den Smiley und bunte Verzierungen mit einbringt.“

 

Du arbeitest gerne mit anderen Leuten zusammen?

„Ja. Durch die Arbeit mit anderen Leuten bekommst du Inspiration und machst Sachen, die du sonst nicht gemacht hättest oder auf die du vielleicht auch gar nicht gekommen wärst. Deshalb habe ich auch direkt zugesagt, als Eva von pureprints mich gefragt hat, ob ich Bock auf eine Zusammenarbeit hätte."

 

Lady Wave und pureprints - woher kennt ihr euch?

"Eva und ich kennen uns privat. Ich hab für sie die Namen ihrer Kids getaged und sie war voll begeistert und meinte: lass doch mal was zusammen machen! Graffiti-ArtPrints, das gibts so noch nicht. Ich meinte sofort „korrekt, da bin ich dabei!“  und hab dann ein paar Tags und Graffities gezeichnet und pureprints hat sie als Special Edition rausgebracht."

 

Wave Graffiti HamburgGraffiti Hamburg Lady Wave



Graffiti ArtPrints by Lady Wave - korrekt?

"Genau! Ich finds geil, wenn sich die Leute an einem Graffiti oder Tag von mir erfreuen. Und jetzt geht das eben auch auf nem Poster. Das ist  wirklich einmalig. Ich entscheide voll mit, was  veröffentlicht wird und bringe den kreativen Part ein, pureprints kümmert sich um alles andere."

 

Was ist der Unterschied zwischen einem Graffiti und Tag?

"Ein Tag ist auch Graffiti. Die Frage müsste eher sein, was gibt es alles im Graffiti. Da gibt es ja auch Throw Ups, Schriftzüge, Tags... das ist ja alles Graffiti." 

 

Graffiti ist also der Oberbegriff, quasi die Kunstform?

"Ja genau. Die Hauptelemente eines Graffities sind Tags, Characters und Styles. Characters sind Figuren. Styles sind Buchstaben aus Blöcken, die unterschiedlich geformt werden können. Sie haben meist einen 3D-Look oder Schatten und sind bunt gestaltet. Ein Tag besteht aus einer Linie, in der bestimmte Buchstaben je nach eigenem Geschmack kreativ dargestellt werden. Alles kann, nix muss. Jede Künstler:in hat einen eigenen Stil und meist auch Wiedererkennungswert." 

 

In diesem Sinne: Mögen die Graffitis strahlen und die Tags euch in eurem Zuhause begeistern.

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